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Grippe und Bauchweh

Ich habe mich oft gefragt, welchen Sinn die kurzen vorübergehenden Krankheiten haben, die so nach ein paar Tagen wieder vorbei sind.

Da gibt es ja eigentlich keine Negativ-Spirale. Sie kommen und gehen, egal, was man macht und wie man sich verhält. Man kann sich darum kümmern oder es einfach bleiben lassen, es scheint alles nichts daran zu ändern, dass sie eben kommen und gehen, wie sie wollen.

2 Beispiele: Grippe und Magenverstimmungen

In meiner Sichtweise stehen die Erfahrungen im Vordergrund und nicht die exakten organischen Ursachen. Es spielt also keine Rolle, ob ich das nun wissenschaftlich exakt benenne.

Bis vor ein paar Jahren hatte ich regelmäßig Magenverstimmungen, mindestens 1-2 Mal im Jahr. (Seit ein paar Jahren aber gar nicht mehr.) Und dabei geschah immer folgendes:

Es ging mir schlecht. (Das war jetzt sicher keine Überraschung.) Allerdings ging es mir nicht irgendwie schlecht. Sondern dieses Schlechtsein war eine absolut extrem krasse Überzeichnung eines Schlechtseins, das ich auch aus bestimmten Alltagssituationen kannte:

Nämlich dann, wenn ich mich total überfressen hatte. Mit mehreren großen Hamburgern oder auf einem Grillfest mit Salat und Unmengen Würstchen oder irgendetwas in der Art.

In diesen Magenverstimmungen nun wurde genau jenes Gefühl ins absolute Extrem verstärkt. Und nicht nur jenes Gefühl wurde verstärkt, sondern genau jene Situationen kehrten als Erinnerung zurück und es wurde mir davon nur noch schlechter. Und ich dachte: "Lieber Gott, mach dass es aufhört, ich will auch niemals wieder zu viel essen."

Nun ist es so, dass man normalerweise dazu neigt, während einer Krankheit die Symptome irgendwie wegzudrücken, zu unterdrücken oder sich dagegen zu stemmen.

Ich möchte hier aber zum praktischen Ausprobieren das genaue Gegenteil dessen vorschlagen: Die inneren Widerstände gegen die Krankheit in ihren Erscheinungen soweit es geht und wenn möglich sogar komplett aufzugeben. Das intensiviert die Krankheitsempfindungen.

Meiner Erfahrung nach aber beschleunigt sich dadurch der Heilungsprozess. Man lässt sich sozusagen in die Krankheit hineinfallen und der Körper kann dadurch seine Arbeit tun und die Heilung viel schneller ablaufen lassen.

Meiner Überzeugung nach repräsentieren Schmerzen und andere unangenehme Krankheitsempfindungen den Heilungsprozess des Körpers.

Bzw. haben sie eine Doppelfunktion: Auf der anderen Seite stellen sie nämlich auch gleichzeitig die Erfahrung dar, um die es eigentlich geht:

Sie verstärken bestimmte Erfahrungen ins absolute Extrem, die im Alltag normalerweise wegignoriert, unterdrückt und überspielt werden. In der Krankheit können sie nun nicht mehr ignoriert werden. Sie kommen mit solcher Intensität, dass sie wahrgenommen werden müssen.

Indem man sich den Krankheitserscheinungen öffnet

Beides gehört natürlich unmittelbar zusammen: Erkenntnis und Heilung. Das eine ist die Kehrseite des anderen.

Gut, aber was nützt mir das mit meinem Hang zu kleinen Fressorgien?

Ich kann mir in der Krankheit vornehmen, nicht mehr so viel auf einmal zu essen und dann beginnt die übliche Problem-Spirale: Ich nehme es mir vor, es klappt nicht, schlechtes Gewissen usw.

Auf ein Grillfest zu kommen, mit leckerstem Kartoffelsalat und zarten gegrillten Hähnchenfilets konfrontiert zu werden und sich dann nicht zu überfressen, das ist für ein Ego wie meins eine absolut unlösbare Aufgabe. Daran kann man sich Jahrzehnte lang die Zähne ausbeißen oder es auch gleich bleiben lassen.

Man muss sich klarmachen, dass Phänomene wie mein Überfressen Ursachen haben. Man nimmt auf Ego-Ebene zwar an, man sollte das kontrollieren, aber es geht nicht. Das ist kein Versagen. Es ist ganz einfach kein Lösungsweg das auf dieser Ebene abstellen zu wollen.

Die Lösung besteht darin, sich der Erfahrung zu öffnen, wann immer sie auftritt: ob in der Krankheit oder tatsächlich nach dem Essen.

Und dann stellt man schrittweise - so wie es eben geht - die Reaktionen auf die Erfahrung ein: schlechtes Gewissen, Selbstvorwürfe, gute Vorsätze usw. Man stellt sie nach und nach ganz komplett ein, bis absolut keine mehr übrig ist.

Man zieht sämtliche Blockaden und inneren Widerstände aus diesem ganzen Prozess und lässt ihn einfach ablaufen: überfressen und schlecht sein, überfressen und schlecht sein, ...

Dabei öffnet man sich der Erfahrung des Schlechtseins.

Das ist so ungewohnt. "Das ist doch nicht in Ordnung, was da läuft und man soll es einfach laufen lassen?" Ja genau. Solange bis es entweder von alleine verschwindet oder sich echte Möglichkeiten zeigen, bei denen man nicht gegen sich selbst kämpfen muss.

Die Erfahrung aktiviert die Lösungskompetenz des inneren Selbst für dieses Problem.

Nun zu Grippekrankheiten. Sie sind ein ganz besonders interessantes Phänomen, weil sie wirklich den Kern gegenwärtiger menschlicher Existenz betreffen.

Man kommt dahinter, wenn man auch hier dem Ratschlag folgt, sich den Kranheitserscheinungen zu öffnen und sie gleichzeitig nicht zu blockieren bzw. innere Widerstände dagegen aufzugeben.

Wie fühlt man sich in einer Grippe, wenn man diese Erfahrung wirklich ins Bewusstsein lässt?

Es ist extrem unangenehm. Man kann sich nicht ablenken oder unterhalten. Die Sekunden werden zu Stunden. Es ist ein als extrem unangenehm empfundenes Sein.

Es ist die extreme Verstärkung der ungeschminkten emotionalen Alltagsrealität, wie man sie ohne Aufputscher, Ablenker, Unterhaltung und Geschäftigkeit erlebt.

Es ist die Alltagsrealität, die normalerweise zur Sucht führt. Es ist die Alltagsrealität, die sonst nahezu lückenlos verdrängt wird.

Bei mir gibt es in Grippezeiten vor allem eine typische Reaktion:

"Ich bin mir gar nicht bewusst, wie gut es mir sonst geht. Ich mecker immer nur herum. Ich genieße mein Leben nicht. Ich muss mehr den Moment genießen und mehr zufrieden sein."

Und wenn die Grippe weg ist, ist alles wieder vergessen und ich bin wieder mit meinen Problemen beschäftigt. Es wäre auch völlig sinnlos, etwas anderes durchziehen zu wollen, weil das nicht die Lösung ist. Aber davon war ja schon ausführlich die Rede.

nächstes Kapitel: Sucht (Themen)