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Alle Konzepte aufgeben

Aus der Beobachtung, dass Konzepte einschränkend sein können, wird geschlossen, dass alle Konzepte nach und nach aufgegeben werden müssen.

Diese Schlussfolgerung steht in direktem Zusammenhang zur Diskreditierung von Ego und Verstand. Wenn man nämlich alle Konzepte aufgibt, dann haben beide nichts mehr zu tun.

Für ein paar wenige Gurus scheint das zu funktionieren. Die hocken dann in irgendeinem Ashram, geben Weisheiten von sich, die niemand wirklich versteht und ihre komplexeste materielle Verrichtung besteht darin, Gemüse fürs Essen zu schnibbeln - während sie natürlich über alle Zweifel erhaben erleuchtet sind.

Für die Mehrzahl ihrer Schüler aber führt das Konzept, alle Konzepte aufzugeben, in Depression und Sinnlosigkeit.

Die Theorie dahinter ist, dass nach Aufgaben aller Konzepte das natürliche spontane Verhalten wieder zum Vorschein kommt und sich das Leben ausschließlich spontan entfaltet.

Und genau das stimmt nicht. Selbst für die, für welche es zu stimmen scheint, trifft es nur für ein extrem einfaches Leben zu, das außer Essen, Meditation und Weisheit verbreiten nicht viel Schöpferisches mehr bietet.

Konzepte sind die Grundlage für Kommunikation und für sämtliche schöpferischen Tätigkeiten in der materiellen Ebene, die übers Gemüse schnibbeln hinausgehen.

Hier steht die äußerst einschränkende Annahme dahinter, dass es Sinn des menschlichen Lebens sei, zu einer absolut einfachen Existenz, die gerade die kreatürlichen Grundbedürfnisse befriedigt, zurückzukehren. So ungefähr wie ein Schaf auf der Weide. Und viel mehr geht ja dann ohne den entmachteten Verstand auch nicht mehr.

Die Gurus leben das so vor. Aber es stimmt nicht. Menschliches Leben ist Ausdruck in einer unglaublichen körperlichen, geistigen, schöpferischen, kreativen Vielfalt. Und diese Vielfalt braucht Konzepte - gute Konzepte, die Möglichkeiten schaffen.

Das ist aber nur die eine Seite. Die zweite noch viel wesentlichere Seite ist die:

Die Annahme, dass sich nach Aufgabe aller Konzepte das natürliche Verhalten aus spontanen inneren Handlungsimpulsen entfaltet, stimmt nicht.

Begrenzungen zerstören die Spontaneität. Es gibt die natürlichen spontanen Handlungsimpulse dann nur noch sehr eingeschränkt. An diese begrenzenden Konzepte kommt man aber ohne Handeln nicht heran.

Das ist das Dilemma: Die Handlungsimpulse sind weg. Sie kommen wieder, wenn die Begrenzungen aufgelöst sind. Aber sie können nur aufgelöst werden, indem erst einmal ohne spontane Handlungsimpulse wieder zu handeln begonnen wird.

Die einzige Instanz, welche dieses Problem lösen kann, indem sie konzentriert ein Handeln nach innerem Wissen wieder aufbaut, ist das Ego. Das Ego initiiert das Handeln da, wo das spontane Verhalten des inneren Selbst gestört ist. Dumme Sache, wenn man es leichtfertig weggeworfen hat zusammen mit allen Konzepten.

Es ist mit diesem Irrtum das Phänomen einer Erleuchtung verbunden, die gleichzeitig zahlreiche Einschränkungen in Bezug auf die materielle Ebene nicht losgeworden ist und die deshalb in Bezug auf ihre Gestaltungsmöglichkeiten im Materiellen äußerst eingeschränkt ist.

Die richtige Lösung des Problems der einschränkenden Konzepte lautet natürlich:

Einschränkende Konzepte aufgeben und neue befreiende Konzepte annehmen. Nicht (mehr) funktionierende Konzepte einfach immer wieder durch besser funktionierende ersetzen.

Es steht natürlich jedem Menschen frei, sämtliche Konzepte aufzugeben und damit auch Ego und Verstand abzuwählen. Dieses Universum basiert auf Freiheit. Da kann jeder tun und lassen, was er will. Man darf dann nur nicht behaupten, dass das der Sinn des menschlichen Daseins sei.

Es ist der Weg von ein paar Freaks, welche sich entschlossen haben, die unglaublichen Möglichkeiten der materiellen Ebene nicht zu nutzen.

nächstes Kapitel: geistige Methoden (Geistige Methoden)